Buchstabensuppenpoesie

Oktober 30, 2007

Statistisches

Gespeichert unter: Blog, Gülcan, Internet, Rätsel, Suche — Chris Hönigmann @ 10:38

Kaum zu glauben, aber selbst mein eigener Blog hält eine Menge amüsanten Lesestoff für mich bereit. Und ich meine gerade nicht die Kommentare meiner LeserInnen.

WordPress hat die wunderbare Funktion „Blogstatistik“. Dort kann ich sehen, wer von wo auf mein(en?) Blog kommt, wohin er oder sie abgeht und was er oder sie liest. Das wirklich interessante sind aber die Suchbegriffe.

Letzte Woche hatte jemand nach einem „Prachtarsch“ gesucht, ich glaube aber kaum, dass er (oder sie? – eher nicht!) damit gerechnet hatte, hier zu landen…

Irgendjemand wollte „Gülcan Kamps zwischen die Beine„. Treten? Gucken? Ich werde es wohl nie herausfinden, ich bin mir aber sicher, dass ich nichts mit dem Intimbereich der Bäckersfrau zu schaffen habe.

Ich kann nicht die Rest bezahlen„, dachte sich einE AndereR. Ob die Lösung dieses grammatikalischen wie finanziellen Problems aber hier zu finden war, darüber ließ sich die/der BesucherIn nicht aus.

Berg Karohemd auf Wolle“ gibt mir ebenfalls Rätsel auf. Hölzfäller, Bergsteiger, Schäfer? Oder doch Feinschmecker? „Heute servieren wir Ihnen Karohemd auf Wolle an Berg“. Ich werde wohl nie dahinter kommen.

Wirklich zu denken gibt mir aber, dass immer und immer wieder Männer mit Ödipuskomplex hier landen. „Ich soll meiner Mutter an die Titten fassen“ gab es vorgestern, letzte Woche „meine+Mutter+Titten„, und irgendwann neulich demletzt „geile Titten Mutter„. Ich gehe nicht davon aus, dass die alle an meine mütterliche Brust wollen, zumal ich mich zu der bisher nicht ausgelassen habe.

Vielleicht sollte ich anfangen, diese Seite zielgruppengerechter zu gestalten. Der Markt regelt ja die Nachfrage, oder so ähnlich.

Also: Ab sofort gibt’s hier Gratisnutten im Karohemd, und Gülcan Kamps muss zugucken.

Oktober 29, 2007

Sagen Sie nicht Karl-Heinz zu mir!

Gespeichert unter: Evelyn Hamann — Chris Hönigmann @ 12:05

Eben schrieb er mir, dass Evelyn Hamann heute Nacht gestorben ist.

Natürlich denke ich an Hildegard-sagen-Sie-jetzt-nichts, Frau Hoppenstedt („Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann!“), Lady Hesketh-Fortescue, eine Politesse, eine Psychologin und eine Sekretein, deren Name mir partout nicht einfallen will, vielleicht auch an die Schwarzwaldklinik und die scheußlichste Frisur ever oder an Adelheid und ihre Mörder, das ich mir irgendwann in den 90ern in trauter Zweisamkeit mit meiner Mutter angeschaut habe.

Ich habe eigentlich keine Vorbilder, wenn die Rolle aber irgendwann zu besetzen wäre, hätte Evelyn Hamann verdammt gute Chancen (naja, die Sache mit der Schwarzwaldklinik verzeihe ich ihr einfach…).

Zweifellos ist Evelyn Hamann die grande dame der Komik, und Loriot bezeichnete sie wohl ganz zu Recht als seinen Glücksfall.

Eine Sache aber habe ich in meiner kurzen Zeit im Lichte der Einachtelöffentlichkeit gelernt: Bühne ist Bühne, und zu Hause mag vieles ganz anders sein. Darum widerstehe ich dem Impuls, Frau Hoppenstedt ein beherztes „Holleri du dödel di!“ nachzurufen.

Statt dessen wünsche ich Evelyn Hamann, wohin ihre Wege sie auch führen mögen, ein wunderbares Sein danach.

Erna

Gespeichert unter: Erna, Geschichte, Kindergeschichte, Kreativität, Schreiben, Uni — Chris Hönigmann @ 10:06

Da war ja noch was. Die besondere Widmung gilt Zoee, die den Namen Erna etabliert hat und die fand, dass in Kindergeschichten immer Tiere und andere Kinder vorkommen müssen.

Es ist keine ganze Seite, aber in weniger als einer Stunde (um zehn musste die E-Mail mit dem Text bei meiner Dozentin sein) fallen mir ganze Kinderbücher etwas schwer, und die liebreizende Tordis Schuster ist auch sehr glücklich mit halben Seiten, weil sie dann nicht so viel lesen muss.

Es wird aber ganz sicher eine Fortsetzung geben. Ob die dann allerdings hier zu lesen sein wird oder doch eher in der Buchhandlung um die Ecke stehen wird (man darf doch noch Träume haben, oder?), wird sich zeigen. :)

Erna. Wer heißt denn schon Erna? So heißen doch nur Kühe, und die Kinder in Ernas Klasse finden, dass Erna wirklich eine dumme Kuh ist.

Erna findet Kühe eigentlich schön. Sie ist sogar mal dabei gewesen, als eine Kuh ein kleines Kälbchen bekommen hat. Erna hat vier große Eimer Wasser angeschleppt und das Kälbchen mit Stroh abgerieben. Weil Erna so gut mitgeholfen hat, taufte der Bauer das Kälbchen Erna. Erna ist mächtig stolz darauf, und sie besucht ihr Kälbchen jeden Tag.

Die Kinder in Ernas Klasse finden, dass Erna mit ihren braunen Augen schon selbst aussieht wie eine Kuh. Immer, wenn sich Erna im Unterricht meldet, muhen die beiden Jungs, die hinter ihr sitzen, leise.

Der Einzige, der Erna nicht ärgert, ist Kevin. Kevin ist erst vor kurzem mit seinen Eltern und seiner Schwester Sarah, die schon zum Gymnasium geht, nach Deutschland gezogen, und er spricht noch nicht so gut deutsch. Kevin ist aus England nach Deutschland gekommen. Erna weiß von ihrer Mutter, dass es in England noch eine richtige Königin gibt.

In den Pausen steht Kevin immer allein auf dem Schulhof. Er sieht traurig aus, findet Erna. Bestimmt vermisst er seine Freunde in England, und die Königin vermisst er sicher auch. Wenn Erna eine Königin gehabt hätte, würde sie die auch vermissen.

Ganz großes Kino!

Gespeichert unter: Auftritt, Kabarett, live — Chris Hönigmann @ 8:03

Gestern gab’s beim Kulturama den langerzitterten Auftritt.

Der Vorlauf war mehr als nervtötend: Wir wurden um sechs zum Soundcheck bestellt, aber weil irgendwelche Menschen ihren Kram vom Abend vorher nicht rechtzeitig weggeräumt hatten, war unsere Nachband, die eigentlich um vier Soundcheck haben sollte, noch immer nicht soundgecheckt, als wir um halb sechs dort ankamen. Bis dann alles fertig war, unsere Nachband gesoundcheckt war, wir irgendeinem dusseligen Techniker erklärt hatten, dass wir beim Soundcheck mehr machen müssen als nur mal 30 Sekunden ins Mikro sprechen, und wir dann nach zwei Stunden Warten endlich mit unserem Soundcheck anfangen konnten, war’s schon halb acht, und um acht sollte es anfangen.

Kein guter Start, denn zwei Stunden Warten ohne irgendeine Meldung von irgendwem, wann es denn vielleicht endlich mal losgehen könnte, bringt nicht wirklich Gelassenheit in ein lampenfieberndes Kabarettensemble.

Der Auftritt selbst hat gut geklappt, es gab ein paar kleine Versprecher und Verspieler, aber die gibt es immer. Das Publikum bestand zu 90% aus KulturwissenschaftlerInnen, und die sind als Publikum extrem anstrengend, weil sie ja selbst alle so wahnsinnig künstlerisch und kreativ sind, und statt zu lachen eher da sitzen und darüber nachdenken, was Adorno wohl dazu sagen würde (übrigens einer der Gründe, warum ich es etwas anstrengend finde, mit diesen Leuten zusammen zu studieren). Dafür, dass sie KulturwissenschaftlerInnen waren, haben sie aber ganz nett gelacht.

Bei aller Kurzweiligkeit an diesem Abend wollten wir aber schon eine Message haben, und die Message war ich. Ich hab ganz lustig angefangen, aber bald wurde es ganz ernst, ich habe von der Bühne runter in betroffen aussehende Gesichter geschaut, und der Applaus hat auf sich warten lassen. Alles so, wie wir uns das im Vorfeld gedacht hatten.

Weil ich aber nun auch nicht daran gewöhnt bin, vor Publikum Moralpredigten zu halten, war ich sehr aufgeregt, was in meiner Stimme deutlich zu hören war, aber nicht als Aufgeregtsein, sondern als Authentizität verstanden wurde. Auch von der Journalistin der Hildesheimer allgemeinen Zeitung, die sich von meiner Nummer schwer beeindruckt zeigte, wie mir unsere… ähm… Pressesprecherin? später erzählte (Mittwoch gibt’s wohl den Artikel – ich bin sehr gespannt!).

„Ich hab fast geheult“, sagte eine Kommilitonin, und eine Andere fand: „Ganz großes Kino!“

Danke! :)

Oktober 26, 2007

Abendfüllend

Gespeichert unter: Alltag, Kreativität, Leben, Schreiben, Schreibtisch, saubermachen — Chris Hönigmann @ 8:58

Was macht die angehende Star-Schriftstellerin/-Kabarettistin/-Radiojournalistin am Donnerstag Abend?

Richtig! Sie sitzt auf dem Boden ihres Wohnzimmers, hört ihre Momo-Hörspielkassetten, prökelt von ihrer Tastatur alle Tasten ab, staubsaugt die Fläche unter den Tasten, putzt die Basis gründlich, wischt dann alle Tasten einzeln mit einem feuchten Tuch ab und prökelt sie wieder an den angestammten Platz (ich habe niemals behauptet, nicht neurotisch zu sein!). Und zwischendrin fragt sie sich immer mal wieder, wie sie an einer solchen Tastatur hat arbeiten können – so dreckig! *igitt*

Und dann will sie ihre blitzeblanke Tastatur gerade wieder auf den Schreibtisch stellen, da fragt sie sich, wie sie an so einem Schreibtisch arbeiten kann.

Nein, nein. Nicht chaotisch. Bisschen verstaubt und sehr vernachlässigt, aber vor allem sehr lieblos eingerichtet, diese Arbeitsecke. Und direkt über dem Schreibtisch, der ein Ort der Inspiration und Schaffenskraft sein sollte, prangt ein Foto einer Person, von der die angehende Star-Schriftstellerin/-Kabarettistin/-Radiojournalistin immer sehr scharf kritisiert wurde, und von der sie den Eindruck hat, dass sie nicht so richtig an sie glaube.

So kann das ja nix werden.

Die angehende Star-Schriftstellerin/-Kabarettistin/-Radiojournalistin macht sich also daran, sich eine hübsche Arbeitsecke einzurichten: Alles schön saubermachen, schöne Bilder an die Wand, mit denen sie Gutes verbindet, ein paar Kerzen und die kleine Schildkröte, die die angehende Star-Schriftstellerin/-Kabarettistin/-Radiojournalistin mal im Kunstunterricht aus Speckstein gemacht hat und die sie seitdem mit sich herumschleppt.

So fühlen sich angehende Star-Schriftstellerinnen/-Kabarettistinnen/-Radiojournalistinnen doch gleich viiiiiiel wohler.

Oktober 25, 2007

Ich bin…

Gespeichert unter: Ausstellung, Costarica, Kunst?, Tiere, Tierschutz, vegan — Chris Hönigmann @ 10:08

noch immer nicht im Bett. Weil ich dies hier fand.

Zunächst scheint es mir keinesfalls gesichert, dass der Hund wirklich tot ist.
Erstens sterben selbst magere Straßenhunde nicht nach einem einzigen Tag ohne Futter. Und ein Tag ist genau die Zeitspanne, von der Spiegel online da schreibt.

Zweitens hat der Künstler, wenn man Spiegel online glauben darf, ganz klar gesagt, dass er sich nicht dazu äußern wird, ob der Hund tot ist oder nicht.

Ich neige eher zu der Annahme, dass der Hund noch lebt.

Des Weiteren finde ich in diesem Fall den Künstler längst nicht so perfide wie die BesucherInnen der Ausstellung.

Das ist diese verdammte Obrigkeitshörigkeit, die Roboterhaftigkeit, mit der die Leute durch die Welt gehen. Da rennen Leute in eine Ausstellung, in der ein Lebewesen leidet, und diese Menschen haben nichts besseres zu tun als zu glotzen. Es hätte die Möglichkeit gegeben, den Hund zu füttern oder ihn einfach abzuleinen und rauszuspazieren.

Das hat niemand getan. Alle haben sich das Leid dieses Tieres angeschaut und niemand hat reagiert. Und das ist nicht unmenschlich, das ist leider zutiefst menschlich!

Und: Der Künstler hat in vielen Teilen Recht, mit dem was er sagt. Wenn dieser Hund auf der Straße verreckt wäre, vergiftet worden wäre oder von irgendwem zu Tode gequält worden wäre (und all das gehört zum Alltag von Straßenhunden), hätte das keine Sau interessiert. So schreit alle Welt auf, ist total betroffen und entsetzt.

Natürlich ist das kein Grund, ein Tier mutwillig sterben zu lassen, aber es scheint mir, wie gesagt, nicht gesichert, dass das wirklich passiert ist.

Und zum Schluss noch eine Sache, die mir immer und immer wieder aufstößt: Da stellen sich sogenannte TierschützerInnen hin und echauffieren sich gewaltig über das Unrecht, das an diesem Tier begangen wurde. Und das in einer Welt, in der es Tiertransporte und Massentierhaltung gibt.

Es sterben täglich Tiere auf grausamste Weise, weil sie gegessen werden sollen. Oder ihr Tod ist einfach ein Nebenprodukt der Tierprodukteindustrie. Männliche Küken werden geschreddert, Schweine werden zu Kannibalen, weil sie wegen der Art ihrer Haltung wahnsinnig werden, und Kühe werden in den engen Ställen zu Tode getrampelt. Und das, was am Schluss noch übrig bleibt, landet auf den Tellern derselben Menschen, die jetzt aufschreien.

Was macht einen x-beliebigen Straßenköter in Nicaragua (von denen es Tausende gibt) zu einem besseren Tier als ein Schwein von Tausenden in einer Schweinefarm?

Es ist unheimlich einfach, in solchen Fällen (die fraglos nicht unterstützenswert sind), zur moralischen Instanz zu werden und die große Keule zu schwingen, Petitionen zu unterschreiben und Betroffenheit zu markieren.

Den Tieren hilft das nur leider nicht.

Was ihnen helfen würde, und das wissen eigentlich alle, die ein wenig darüber nachdenken, wäre der konsequente Boykott der Tierprodukteindustrie.

Doch was das angeht, betreibt die/der brave BürgerIn Ablasshandel mit sich selbst: „Ich unterschreibe diese Petition, verdrücke ein paar Tränchen, dafür ist es dann aber in Ordnung, wenn zum Abendessen ein Steak auf meinem Teller liegt.“

Ich bin…

Gespeichert unter: Alltag, Kabarett, Knoten, Kreativität, Leben, Scheitern, Schreiben, Uni — Chris Hönigmann @ 8:53

diesmal nicht beeindruckt, sondern ein armes Häschen.

Gestern gab es wieder eine Probe, das Knäuel war wieder ein Knoten, ich war vollkommen blockiert und überhaupt war alles sehr, sehr schlecht. Und weil alles so schlecht und scheußlich war, musste ich auch weinen. Und ich hasse es wirklich, vor Anderen zu weinen.

Als die Anderen dann weg waren und ich mit meiner persönlichen Reparaturwerkstatt telefonierte, musste ich noch mehr weinen. Genau genommen war es eher eine Schleusenöffnung des Assuan-Staudamms.

Das Problem ist ein bekanntes, aber – so scheint es mir gerade – unlösbares (kurz zusammengefasst in: „ich hasse mein Studium ich hasse die Leute ich passe überhaupt nicht hierher und wenn ich mich passend machen will verkaufe ich mich selbst seit ich hier bin kann ich gar nicht mehr schreiben weil ich so blockiert bin und überhaupt weiß ich doch wo ich hin will was verschwende ich also hier meine Zeit aber andererseits will ich auch endlich mal einen Abschluss haben weil ich den auch brauche um das zu machen was ich will und ich will jetzt mit 27 nicht schon wieder von vorne anfangen und vielleicht ist das jetzt einfach eine sehr harte Zeit durch die ich durch muss aber bald wird es besser werden und wenn ich das erstmal überwunden habe bin ich auch in meinem Schreiben viel stärker und sicher wird es mich total weiterbringen das überwunden zu haben“ – Ja, das ist wirklich die kurze Version…)

Natürlich ist nichts unlösbar. Es geht immer irgendwie weiter, und ich bin noch immer auf die Füße gefallen, und das Gute am vollkommen Niedergeschlagensein ist ja auch, dass es ab einem bestimmten Punkt nur noch aufwärts gehen kann.

Jaja.

Der Knoten und die Schleuse, die gerade immer noch so ein bisschen vor sich hintröpfelt, scheinen wirklich sehr, sehr tief in mir drin zu sein, denn heute Morgen wachte ich krank auf. Vollkommen zugequollene Augen, Kopfi weh (nein, ich habe gestern Abend nicht aus Verzweiflung den Kiosk um die Ecke leergetrunken), Husten, Schnupfen, Halsweh und Schlappheit, und die Welt ist heute ein sehr, sehr garstiger Ort für mich.

Und darum gehe ich auch jetzt wieder ins Bettchen, mit Wärmflasche und Hörspiel. So wird das mit meiner Uni heute zwar nix, aber gut zu mir sein und wieder gesund werden gehen heute vor.

Immerhin haben wir am Sonntag einen Auftritt, bei dem ich so was von brillieren werde (dieser krankhafte Optimismus immer – irgendwer hat mir den in die Wiege gelegt, und seitdem werde ich ihn einfach nicht wieder los…), aber dazu muss ich gesund sein.

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