Buchstabensuppenpoesie

Oktober 16, 2007

Sie haben Post!

Gespeichert unter: Bauernhof, Brief, Internet, Post, Schreiben, Zoo — Chris Hönigmann @ 5:09

Heute war Posttag. Und Post ist für mich gerade wirklich etwas sehr besonderes, denn ich bekomme sogar keine Rechnungen mehr per Post, weil ich das meiste online abwickle. Wer braucht auch schon ganze Ordner voller Telefonrechnungen?

Aber heute gab es Post. Ich bin heute Vormittag aus Hannover wiedergekommen, und fand zweierlei in meinem Briefkasten:

1. Ein angekündigtes Überraschungspaket von meiner Lieblingskinderzeitschrift. In der letzten Ausgabe waren nämlich die Bastelbögen nicht deckungsgleich gedruckt, sodass ich mir gar nicht das tolle Mobile an die Decke hängen konnte, weil eine Seite ganz zerschnitten war. Darum hatte ich eine E-Mail geschrieben, und heute kam das versprochene Trostpaket.

2. Ein Brief von meiner Mama! Und der kam wirklich überraschend, denn der war nicht angekündigt. Ich habe schon öfter Post von meiner Mama bekommen, meistens war die aber eher “zielgerichtet”, weil wir irgendwas hin- und herschicken mussten. Da hat sie dann auch oft eine kleine Notitz dazugelegt. Aber heute kam ein richtiger Brief, fast vier Seiten lang!

Ich hab ihn aus dem Briefkasten gefischt, und habe die Treppe hoch zu meiner Wohnung fast drei mal so lange gebraucht, wie normalerweise, und als ich oben ankam, hatte ich die ersten eineinhalb Seiten schon gelesen. Und dann habe ich mich sozusagen “in Hut und Mantel” in meinen Lieblingssessel gesetzt und weiter gelesen. Dann habe ich mir einen Tee gekocht und habe den Brief gleich nochmal gelesen.

Es war so schön! Ich kann wirklich nur in echte Buchstaben so eintauchen. Wenn ich etwas am Bildschirm lese, ob Texte oder E-Mails, bin ich nie wirklich dabei. Es gibt immer eine Barriere, denn ich habe nichts zum Anfassen. Kein knisterndes Papier, kein feiner Geruch, der sich verströmt, ich bin nie ganz dabei.

Bei echtem Papier mit echten Buchstaben drauf habe ich das Gefühl, auch selbst viel echter zu sein. Ich bin nicht nur eine Userin, die durch eine Glasscheibe von der Welt getrennt ist, von der sie da liest und damit nur Zuschauerin sein kann. Wenn ich von echtem Papier lese, bin ich Bestandteil der Welt.

Es gilt also die Formel: E-Mails verhalten sich zu Briefen wie ein Besuch im Zoo zu Leben auf dem Bauernhof.

Meine Bestellung ans Universum: Ich wünsche mir mehr echte Post (meine aktuelle Adresse kann unter Verleih1Tag(at)web(punkt)de erfragt werden).

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